Wortmeldung von Prof. Dr. Christoph Meinel, Präsident der German UDS

29 May 2026

Screenshot des 1. Journalistensalons auf dem virtuellen Campus

Die folgende Wortmeldung von Prof. Dr. Christoph Meinel über KI in der Bildung wurde als erstes im 1. Journalistensalon der German UDS vorgestellt. Der Journalistensalon fand auf COVE, dem virtuellen Campus der German UDS statt. Wenn Sie das nächste Mal dabei sein möchten, wenden Sie sich gerne an press@german-uds.de.


In Zeiten künstlicher Intelligenz ist es mit dem reinen ‚Knowledge Retail‘ – also des bloßen Vermittlung und Vermarktung von standardisiertem Wissen vorbei. Wenn KI-Tutoren heute schon in der Lage sind, Wissen auf Master-Niveau global und skalierbar zu vermitteln, dann verändert das die Anforderung im Arbeitsmarktes fundamental. Die Wirtschaft fragt unsere Absolventen nicht mehr: ‚Was wissen Sie?‘, sondern: ‚Was können Sie mit KI erreichen?‘. Bis zum Jahr 2030 werden 59 Prozent aller Arbeitnehmer völlig neue Kompetenzen benötigen, allen voran analytisches Denken, KI-Kompetenz (AI Literacy) und kreative Problemlösungsfähigkeiten.

Ich blicke mit großem Respekt auf unsere traditionellen Universitäten, denn sie stehen aktuell unter einem beispiellosen historischen Druck. Was wir jedoch beobachten, ist Abwarten und allerhöchsten halbherzige Reformen. Viele Institutionen versuchen, die Disruption durch kleine, schrittweise Anpassungen aufzufangen – doch dieser Ansatz birgt ein massives strukturelles Risiko.

Es reicht schlichtweg nicht aus, eine moderne E-Learning-Plattform zu lizenzieren, wenn man gleichzeitig an den starren, vordigitalen Arten der Wissensvermittlung und Prüfungsordnungen festhält. Das erzeugt keine Innovation, sondern Reibungsverluste. Das resultiert in einer echten Krise akademischer Integrität: Traditionelle Hausarbeiten werden von KI geschrieben und womöglich auch von KI korrigiert – so lässt sich keine Kompetenz nachweisen. Und der Versuch, KI durch Verbotsrichtlinien oder Detektionssoftware aus den Hörsälen fernzuhalten, ist zum Scheitern verurteilt. Solche Detektionswerkzeuge produzieren falsche Ergebnisse, und noch gravierender: Durch Verbote verhindern wir die echte Vorbereitung der Studierenden auf eine Welt mit KI und damit auf die Realität des Arbeitsmarktes.

Die aktuelle politische Debatte über Entbürokratisierung muss auch das Hochschulrecht erreichen. Zu detailliert gesetzliche Regelungen, starre Akkreditierungszyklen und vordigitale Prüfungsnormen sind sehr ernste Innovationsbremsen für unsere gesamte Gesellschaft.

Doch noch weitaus gravierender ist die strategische Dimension dieses Zögerns: Wir stehen vor der Gefahr eines ‚Digital and AI Divide‘, bei dem Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte endgültig abgehängt werden könnten.

Wenn wir den tätigen Zugang zu High-End-Technologie und die Entwicklung digitaler Zukunftskompetenzen nicht flächendeckend und strukturell in unserer Hochschulbildung verankern, wird es nicht gelingen, den Wohlstand im Land und unsere führende Rolle in der Welt zu sichern.

Ohne technologische Souveränität. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, KI als bloße Randnotiz zu behandeln, während andere Regionen der Welt voll integrierte, digitale Bildungs- und Innovationsökosysteme aufbauen. Wenn wir nicht schnell und konsequent handeln, verlieren wir unsere gesellschaftliche Innovationskraft im internationalen Wettbewerb.

Im Hochschulbereich braucht es einen echten strukturellen Wandel:

  • - Prüfungsformate: Standardisierte Abschlussklausuren sind nicht mehr zeitgemäß. An ihre Stelle müssen kontinuierliche Portfolio-Bewertungen treten. Studierende müssen ihre Fähigkeiten in realen ‚Impact Projects‘ nachweisen, bei denen echte, komplexe Probleme aus der Wirtschaft und Gesellschaft zu lösen sind und KI als sehr wirkmächtiges Werkzeug genutzt wird. Hier müssen sie ihre Fähigkeit zu kritischem Denken, zu Einordnungen und Bewertungen und ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, nachweisen.
  • - Die Rolle der Lehrenden: Dozierende müssen sich vom reinen Wissensmonopolisten zum Lernbegleiter und ‚Competency Architect‘ wandeln. Das erfordert auch, dass wir unsere Lehrenden permanent weiterbilden und sie nicht mit den neuen Werkzeugen allein lassen.
  • - KI als Infrastruktur: KI darf nicht länger als isoliertes Tool betrachtet werden. Sie muss zur grundlegenden Infrastruktur jeder Universität gehören – etwa um personalisierte, adaptive Lernpfade zu erschaffen, die sich dem individuellen Lerntempo anpassen und so die Abbruchquoten drastisch senken.
  • - Zukunftskompetenzen: Themen wie AI Literacy, Data Literacy und Digital Leadership, Design Thinking dürfen keine freiwilligen Wahlfächer sein, sondern müssen das verpflichtende, fächerübergreifende Fundament jedes Studiums bilden.

Genau für diese Herkulesaufgabe haben wir die German University of Digital Science (German UDS) gegründet. Wir verstehen uns dabei nicht als Konkurrenz zur klassischen Campus-Universität. Im Gegenteil, wir wollen die klassische Humboldt`sche Campus-Universität ins digitale Zeitalter transformieren und den ‚Proof of Concept‘ einer Universität für das 21. Jahrhundert liefern. Damit wir uns nicht mit dem Umbau alter Strukturen rumschlagen müssen, haben wir unsere Universität in jeder Hinsicht auf die Erfordernisse der Digitalisierung und des aufkommenden KI-Zeitalters ausgerichtet.

Dass der Bedarf an dieser Form der Bildungsarbeit gewaltig ist, zeigt der Erfolg unserer offenen Formate: Im März nahmen über 400 Teilnehmende an unserem Kurs 'Learning with AI' teil. Da wir Bildung als ein zentrales öffentliches Gut verstehen, sind diese Materialien über das Internet frei verfügbar. Aufgrund der hohen Resonanz werden wir diesen Kurs im Oktober erneut kostenlos anbieten, um den Transfer von KI-Kompetenz in die Breite der Gesellschaft aktiv zu unterstützen.

Dass dieser konsequente Weg funktioniert, zeigt das aktuelle Ranking privater Hochschulen des SZ Instituts, in dem wir als beste private Hochschule Deutschlands in der ‚Internationalen Ausrichtung‘ sowie in der Spitzengruppe für Praxisbezug, Innovationskraft und Qualitätsniveau der Absolventen ausgezeichnet wurden. Es zeigt: Wenn man Transdisziplinarität, global vernetztes Lernen und den verantwortungsvollen Einsatz von Technologie strukturell verankert, entsteht genau die akademische Qualität, die unsere Gesellschaft jetzt dringend braucht.

Mein Appell an die Hochschullandschaft lautet daher: Lassen Sie uns diese Transformation nicht als Bedrohung, sondern als unsere gemeinsame historische Herausforderung begreifen. Die Professoren und Mitarbeiter der German UDS stehen bereit, ihre Erfahrungen, ihre digitalen Plattformen und ihr Wissen offen zu teilen, damit wir die Bildung der Zukunft gemeinsam gestalten können.

Die German University of Digital Science ist eine englischsprachige volldigitale Universität mit Sitz in der Medienstadt Babelsberg, Potsdam. Sie fokussiert sich auf zukunftsweisende Studienprogramme in den Bereichen Digital Science, Artificial Intelligence, Cybersecurity sowie Virtual und Augmented Reality, die vollständig digital absolviert werden können. Damit macht German UDS digitales Wissen weltweit zugänglich.